Über mich

Ich kann auf mein Leben zurückblicken wie auf einen Weg, der selten gerade verlief – eher wie eine Bewegung durch unbekanntes Gelände, in dem sich erst im Gehen zeigt, wohin er führt. Und genau darin liegt für mich der rote Faden: Ich habe nie gewartet, bis alles sicher war. Ich bin gegangen, weil etwas in mir stärker war als die Garantie auf Erfolg.

2006 habe ich meine erste Firma, die Excess Events GmbH gegründet. Damals wusste ich ehrlich gesagt nicht wirklich, worauf ich mich einlasse. Eventorganisation in Danzig und später in Warschau bedeutete für mich: lernen im Echtzeitmodus.  Marketing, Verkauf, Management, Unternehmertum – all das war kein Wissen, das ich bereits hatte, sondern etwas, das ich mir Schritt für Schritt aneignen musste, oft durch Fehler, manchmal durch Schmerz, aber immer durch Erfahrung.

 

Diese Zeit war herausfordernd. Und gleichzeitig war sie eine der lebendigsten Phasen meines Lebens. Ich war konfrontiert mit Unsicherheit, mit Verantwortung, mit Entscheidungen ohne doppelten Boden. Aber genau dort hat sich etwas in mir gefestigt. Ich habe gelernt, dass ich mit Niederlagen umgehen kann. Und noch wichtiger: dass ich mehr bereue, was ich nicht versuche, als das, was vielleicht nicht funktioniert.

Damals, mit 25, hatte ich diesen inneren Gedanken sehr klar: Vielleicht scheitere ich. Aber mit 35, 45 oder 55 möchte ich nicht zurückblicken und mich fragen müssen, warum ich es nie versucht habe. Dieser Satz hat mich geführt, auch wenn ich ihn damals nicht so bewusst formuliert habe.

Die Jahre in Polen – in Danzig und Warschau – waren intensiv. Sie waren nicht nur beruflich prägend, sondern auch menschlich. Ich habe dort nicht nur ein Unternehmen aufgebaut, sondern auch ein Stück Identität entwickelt. Ich habe gelernt, mich in Unsicherheit zu bewegen, Entscheidungen zu treffen, ohne alle Antworten zu kennen, und trotzdem Verantwortung zu tragen.

2011 bin ich in die Schweiz zurückgekehrt. Zwei Jahre später habe ich den nächsten Schritt gewagt: Ich habe meine eigene Biermarke das "Guldentaler Bier" gegründet und eine kleine Brauerei mit Bistro und Café aufgebaut. Acht Jahre lang war das nicht nur ein Marke, sondern später auch ein Ort, an dem Menschen zusammenkamen, an dem Ideen lebten und an dem ich wiederum viel über Unternehmertum, Durchhaltevermögen und auch über Grenzen gelernt habe.

Dann kam die Pandemie. Und mit ihr ein Einschnitt, der vieles beendet hat, ohne dass ich darauf vorbereitet war. Ich musste meine Brauerei und mein Lokal schliessen. Rückblickend war das einer der schmerzhaftesten, aber auch wandlungsreichsten Momente meines Lebens.

Denn genau in dieser Phase hat sich etwas verschoben. Ich habe begonnen, mich intensiv mit Online-Handel auseinanderzusetzen. Ich habe mein gesamtes Inventar verkauft und plötzlich verstanden, wie direkt, schnell und zugänglich digitale Geschäftsmodelle funktionieren. Aus dieser Erfahrung heraus ist trivendo.ch entstanden – mein Onlineshop für Outdoor, Sport, Jakobsweg, Zubehör und Bücher. Diesen Shop betreibe ich nun erfolgreich seit mehreren Jahren mit meiner Frau Olga.

Was sich zunächst wie ein Bruch angefühlt hat, wurde im Nachhinein zu einem Übergang. Ich habe gelernt, dass manchmal nicht die Planung den Weg bestimmt, sondern die Fähigkeit, in Veränderung Chancen zu erkennen.

Parallel dazu hat mich der Jakobsweg tief geprägt. Meine erste Reise im Jahr 2015 war kein Projekt, sondern eine Erfahrung, die etwas in mir verschoben hat. 2023 habe ich darüber mein erstes Buch geschrieben: „Via Gebennensis – mein Jakobsweg“. Ein Versuch, das Innere dieses Weges in Worte zu fassen. 2025 folgte meine zweite Etappe auf dem französischen Jakobsweg, dieses Mal auf der atemberaubend schönen "Via Podiensis" von Le Puy-en-Velay nach Saint-Jean-Pied-de-Port.

2026 ist ein weiteres Buch entstanden, der Jakobsweg-Roman: "Eine Liebe, die nicht bleiben durfte". Schreiben wurde für mich zu einer Form der Reflexion – ein Weg, Erfahrungen nicht nur zu leben, sondern sie zu verdichten und weiterzugeben.

Je weiter mein Weg geht, desto klarer wird mir: Jede neue Gründung, jedes neue Projekt hat meine innere Hemmschwelle gesenkt. Nicht, weil es einfacher wurde, sondern weil ich mir selbst mehr vertraue. Unternehmertum ist für mich kein einmaliger Schritt mehr, sondern ein Zustand des Gestaltens geworden.

Und vielleicht ist genau das der tiefere rote Faden in meinem Leben: Ich bewege mich dorthin, wo Unsicherheit ist, nicht weil sie angenehm ist, sondern weil dort Entwicklung passiert. Ich habe gelernt, dass ich nicht alles wissen muss, bevor ich beginne. Ich muss nur bereit sein, mich zu bewegen.

Ich habe oft erlebt, dass das Leben sich nicht an Pläne hält. Aber ich habe auch erlebt, dass genau darin Chancen entstehen, die man nie hätte konstruieren können.

Und wenn ich heute zurückschaue, bleibt für mich eine einfache, aber entscheidende Frage:

Was hätte ich alles verpasst, wenn ich damals nicht gegangen wäre?

Denn am Ende ist es selten das Scheitern, das schwer wiegt. Es ist das Leben, das nie begonnen wurde.